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Foto: Juliane Herrmann / Artist in the Box

Die Soforthilfe für Künstler*innen ist aufgebraucht und greift somit nur für sehr wenige von uns

Mitte März hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW eine Corona-Soforthilfe von 5 Millionen Euro für freischaffende Künstler*innen zu Verfügung gestellt. Bei einem Zuschuss von bis zu 2000 Euro für weggefallene Jobs und Engagements haben diese Unterstützung also gerade einmal 2500 freischaffende Künstler*innen erhalten. Unabhängig davon, dass ein Zuschuss von 2000 Euro wohl kaum für die tatsächlich entgangenen Gelder von 3 Monaten entschädigt, wurden insgesamt 17 000 Anträge von Künstler*innen gestellt. Somit gehen nach derzeitigem Stand 14 500 Künstler*innen leer aus und befinden sich weiterhin in einer sehr prekären Lage.

Ab dem 28.03.2020 gab es die Möglichkeit der Beantragung einer Soforthilfe für Soloselbständige / Freiberufler*innen bei der Bezirksregierung Köln/NRW. Zuvor erkundigten wir uns bei der IHK und der Bezirksregierung Köln, ob wir als Fotograf*innen und freischaffende Künstler*innen antragsberechtigt seien. Von beiden Stellen erhielten wir die Information, dass wir einen Anspruch auf die Sorforthilfe für laufende Kosten und unseren Lebensunterhalt hätten, auch wenn wir keine betrieblichen Räume oder Angestellten haben.
Dies änderte sich jedoch mit einem Beschluss vom 01.04.2020. Demnach sind Soloselbständige / Freiberufler*innen ohne gewerbliche Räume wie Studios oder Ateliers von der Soforthilfe ausgeschlossen. Für uns freischaffende Fotograf*innen und Künstler*innen wäre damit aktuell nur die Grundsicherung bei der Arbeitsagentur möglich.

Der Beruf freischaffender Fotograf*innen und Künstler*innen wird somit abgeschafft.

Die einkommensstärkste Zeit des Jahres liegt bei vielen freischaffenden Fotograf*innen und Künstler*innen in den Monaten April bis August. Denn in dieser Zeit finden die meisten Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Dieses Einkommen stellt für viele einen großen Teil des gesamten Jahreseinkommens dar. Nun ist den Fotograf*innen und Künstler*innen aber nicht nur das Einkommen dieses Zeitraumes durch die Corona-Maßnahmen weggebrochen, sondern die Situation wird auch einen großen Einfluss auf die Zeit nach Corona haben. Denn die meisten relevanten Veranstaltungen in NRW wurden ersatzlos abgesagt oder vorerst auf das nächste Jahr verschoben.

Und trotzdem haben wir als Künstler*innen Kosten, die weit über die Grundsicherung hinausgehen. Wir müssen weiterhin Versicherungen und laufende Kosten zahlen. Wenn wir auch während der Coronazeit neue Werke schaffen wollen, so müssen wir in Materialien, Equipment und Ausstellungsdrucke investieren. Auch zukünftig geplante Ausstellungen und Publikationen müssen weiterhin geplant, produziert und verlegt werden. Zudem ist für uns Künstler*innen die Eigenwerbung von hoher Bedeutung. Ohne finanzielle Mittel können wir Werbemaßnahmen wie Internetseite, Flyer, Magazine und Ausstellungen, die so wichtig für unsere eigene Sichtbarkeit sind, nicht mehr finanzieren.

Wenn wir als Künstler*innen also lediglich ein Recht auf die Grundsicherung haben, können wir nicht mehr wirtschaftlich arbeiten und unsere künstlerische Tätigkeit ausüben. Denn wenn wir jetzt kein Geld für die Produktion unserer Kunst bekommen, können wir auch im nächsten Jahr weder an Ausstellungen, noch an anderen Projekten im Kulturbereich teilnehmen. So haben sich viele Fotograf*innen und Künstler*innen dazu entschieden, keine Grundsicherung zu beantragen, um weiterhin zumindest die Möglichkeit aufrecht zu erhalten, wirtschaftlich arbeiten zu können. Die Angst keine Kunst mehr produzieren zu können und durch den Status des HartzIV-Empfängers die eigene Identität als Künstler*in zu verlieren, ist zu groß. Wir fordern daher ein sofortiges, bedingungsloses Grundeinkommen, mit dem es freischaffenden Fotograf*innen und Künstlern*innen trotzdem erlaubt ist, eigenes Geld zu erwirtschaften, um weiter Kunst schaffen zu können und den Beruf des/der Künstler*in erhalten zu können.

Statement von Marie Köhler, Gründungsmitglied von Artist in the Box

Liebe Leser*innen,

unseren Auftrag sehen wir nicht allein darin, eine Plattform zu erstellen, auf der wir Kunstwerke von Künstler*Innen anbieten, sondern legen auch großen Wert darauf, dass im Gemeinsamen neue Denkprozess angestoßen werden, um kritisch und umfangreich von einander zu lernen.

So stellen wir uns z.B. zentralen Fragen in Bezug auf die aktuelle Situation und neuen Denkmöglichkeiten mit dieser umzugehen. Dazu werden wir regelmäßig Texte von unterschiedlichen Personen auf unserer Internetseite veröffentlichen. Zudem wird es Buchtipps und Veranstaltungshinweise (so diese wieder stattfinden) geben.

Macht mit und nehmt Teil an unserem Dialogforum!

Schickt uns gerne Gedanken, Texte und Tipps. Wir veröffentlichen diese regelmäßig in unserem Blog.

5 Comments
  • Ute Behrend
    Posted at 16:56h, 14 April Antworten

    Yes!

  • Juliane Herrmann
    Posted at 16:58h, 14 April Antworten

    Heute Mittag kam es dann schwarz auf weiß. Ich finde das ist ein echter Skandal!:

    „Sehr geehrte Antragstellerin, sehr geehrter Antragsteller,

    die Mittel des Sofortprogramms zur Unterstützung freischaffender Künstlerinnen und Künstler aufgrund der Auswirkungen der Coronavirus-Krise sind ausgeschöpft.

    Ihr Antrag konnte leider in dem stark überbuchten Programm nicht berücksichtigt werden.

    Wir bitten darum, von Rückfragen zu einzelnen Vorgängen abzusehen, da diese aufgrund der großen Anzahl von eingegangenen Anträgen nicht beantwortet werden können.

    Es bestehen aber weitere Möglichkeiten der Unterstützung:

    Derzeit wird die Frage diskutiert, ob freischaffende Künstlerinnen und Künstler im Rahmen der Bundeshilfe neben Betriebskosen auch Corona-bedingte Einnahmeausfälle geltend machen können. Ziel der Landesregierung ist, dass das Soforthilfeprogramm des Bundes in geeignetem Umfang auch auf Künstlerinnen und Künstler anwendbar ist. Darüber finden derzeit Gespräche mit dem Bund statt. Falls das nicht möglich sein sollte, wird über eine NRW-spezifische Lösung nachgedacht werden.

    Aktuell können Kulturschaffende, denen durch die aktuelle Krise das Einkommen wegbricht, zur Sicherung ihres Lebensunterhalts vereinfachten Zugang zu Leistungen der Grundsicherung erhalten. Wer zwischen 1. März und 30. Juni 2020 Corona-bedingt einen Antrag auf Grundsicherung stellt, für den gelten erleichterte Zugangsvoraussetzungen. (https://www.arbeitsagentur.de/m/corona-grundsicherung/)

    Alle Informationen rund um die Corona-Hilfen der Bundesregierung für Künstlerinnen und Künstler finden Sie unter: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/hilfen-fuer-kuenstler-und-kreative-1732438.

    Anträge für die Corona-Soforthilfe können direkt und digital beim NRW-Wirtschaftsministerium unter soforthilfe-corona.nrw.de gestellt werden. Alle Informationen rund um die „NRW-Soforthilfe 2020“ finden Sie unter: https://www.wirtschaft.nrw/nrw-soforthilfe-2020.

    Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Nachfragen zu diesen Programmen von uns nicht beantwortet werden können.

    Die Entwicklung in den verschiedenen Förderprogrammen ist sehr dynamisch. Informieren Sie sich bitte regelmäßig auf der Seite des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft.

    Wir wünschen Ihnen alles Gute und Gesundheit.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Kunst- und Kulturförderungs-Team von der Bezirksregierung Köln“

  • Daniela
    Posted at 18:48h, 14 April Antworten

    Das kann ich nicht glauben … einer der reichsten Länder der Welt schafft seinen eigenen Kreativen und Künstler ab.
    Ich sollte bis Juni zu Fotoaufträgen in Afrika sein, storniert mit letzten Flieger der fliegen sollte.
    Aufträge natürlich jetzt auch keine in Deutschland … aber zu diesen Absagen fällt mir wirklich nichts mehr ein.
    Ich glaube das nicht … mein Antrag liegt noch zur Bearbeitung seit 27.3. hier in Schleswig Holstein.
    Ganz ganz positive Gedanken vom Meer
    Daniela

  • Ben Kaufmann
    Posted at 00:19h, 15 April Antworten

    Ja, leider ging es darum, ein sofortiges medienwirksames Signal zu senden,. Warum kann das Volumen nicht für die anderen Antragsteller aufgestockt werden?
    Den Rest beschreibt der Kommentar von Euch bestens.

  • Jo Brüggemann
    Posted at 09:45h, 16 April Antworten

    Da hält man sich zurück, weil man glaubt man schafft es aus eigener Kraft und wird dann dafür bestraft!
    Medienwirksames Signal – ja – das wird die einzige Absicht gewesen sein!

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